Den Fragen im Lebens kreativ und mitfühlend begegnen

Liebe Freundinnen und Freunde der kontemplativen Psychologie, liebe Interessent*innen!

Ein Brief von Barbara Märtens, Fakultätsleiterin

von meinem Arbeitsplatz kann ich direkt auf einen kleinen Park mit einem Weiher umgeben von vielen alten mächtigen Bäumen schauen. Da sind Weiden, die ihre Zweige wie grüne Vorhänge sanft im Sonnenlicht bewegen. Buchen, deren Knospen kurz vorm Aufbrechen schon jetzt den zarten Schimmer ihres grüngoldenen Lichtes erkennen lassen. Eine Atlaszeder, die, obwohl sie ihr grünes Nadelkleid das ganze Jahr über nicht ablegt, plötzlich aufgeregt und verheißungsvoll ihre Zweige wie tanzend der Sonne entgegenstreckt. Und erst die Vögel!

Frühling ist nun wirklich “mit Sang und Schalle einmarschiert“. Während ich dies in der freien Zeit, welche das Home-Office und die Einschränkungen des alltäglichen Umgangs miteinander mit sich bringen, so intensiv wie lange nicht mehr genieße, wird mir gleichzeitig der scharfe Kontrast zu den schwierigen, besorgniserregenden und zum Teil schwer aushaltbaren Anteilen der Corona-Pandemie sehr bewusst. Schon die Zeitung aufzuschlagen oder die Nachrichten einzuschalten rückt das Leid und den Schmerz vieler anderer Mensch sehr nahe.

Auch in unserem gewöhnlichen Alltag hat sich viel verändert, selbst wenn wir nicht mit den Erkrankten des Covid-19 im direkten Kontakt sind. Viele lieb gewonnene kleine „Rituale“ sind derzeit nicht möglich: jemanden mit einer herzlichen Umarmung begrüßen; die gemeinsame Kaffeepause mit Arbeitskolleg*innen – insbesondere wenn’s in der Arbeit mal nicht gut vorangeht; sich für einige Momente nah bei einander auf einer Parkbank in der Ruhe und Sicherheit inniger Verbundenheit aufgehoben fühlen; sich im Straßencafé oder Biergarten lebendig am Puls der Stadt fühlen; der traditionelle Osterbrunch im Familienkreis oder mit Freunden und so vieles mehr.

Viele Menschen erleben in den letzten Wochen ein Zurückgeworfen-Sein auf sich selbst, welches ungewohnt ist und einiges zum Vorschein bringt, was sonst im Getriebe des Alltags leicht unbemerkt, eventuell zu unserer Erleichterung, einfach untergeht. So versuchen wir vielleicht fast reflexhaft den offenen, nicht besetzten Raum, den wir gerade verstärkt wahrnehmen können, mit einem – fast möchte ich sagen – seltsam regen Beschäftigungsdrang zu begegnen. Es ist erstaunlich, was es alles zu tun gibt, ist man plötzlich ganz auf die eigene Lebenssituation zurückgeworfen.

Egal wie wir von den äußeren Bedingungen dieser Zeit herausgefordert werden – manche mehr und manche weniger – wir alle werden stärker mit unseren Gefühlen konfrontiert: wir merken vielleicht gerade jetzt, das es nicht immer einfach ist einen guten Umgang mit unseren Gefühlen zu pflegen. Oft nehmen wir sie als Störenfriede wahr, die das Bild welches wir von uns selbst haben, herausfordern oder in Frage stellen. Insbesondere die sogenannten negativen oder schwierigen Gefühle wie Angst, Ärger oder Traurigkeit lassen uns oft hilflos und irritiert mit vielen Fragezeichen zurück.

Gefühle sind ein wichtiges Anliegen in der Arbeit der kontemplativen Psychologie. Schwerpunkt liegt dabei auf Erkenntnis sowie Methoden, die es uns ermöglichen emotionale Energie in uns kennen zu lernen und zu verstehen. Gefühle werden als wichtige Würze im vollen Spektrum des Menschseins verstanden; sie helfen uns unser Leben voll und ganz auszuloten und den Fragen, die das Leben aufwirft, kreativ und mitfühlend zu begegnen.

In drei aufeinander folgenden Live-Webinaren möchte ich in der kommenden Zeit mit Ihnen und Euch die drei “großen“ Gefühle Angst, Ärger und Traurigkeit sowohl theoretisch als auch praktisch etwas genauer beleuchten. Wenn wir lernen unseren Gefühlen mit Achtsamkeit, Neugier und Wärme zu begegnen, lernen wir sehr schnell unmittelbar, dass Gefühle wie das Wetter unser Leben in einem ständigen Strom färben und beleben.

Zunächst einmal wünsche ich Ihnen jedoch Gesundheit, Gelassenheit und viele Momente der Wachheit, des Staunens und auch der mitfühlenden Verbundenheit in dieser herausfordernden Zeit. Ich hoffe sehr, dass wir dieses weltweite “Gruppenretreat“ gut für die weitere Entwicklung als Menschen nutzen.

Frohe Ostern!
Ihre Barbara Märtens



Termine im Überblick

Live-Webinare – kostenlos
Reihe zum Thema “Umgang mit Gefühlen“ – mit Barbara Märtens
Veranstaltungsort: World Wide Web über die Webkonferenz-Plattform “Zoom“

23. April 2020 von 19:00 bis 20:30 Uhr
Der Angst ein Lächeln schenken – Wie kann Achtsamkeit unseren Umgang mit Angst verändern und bereichern?

14. Mai 2020 von 19:00 bis 20:30 Uhr
Ärger und Wut mitfühlend begegnen – Ärger mit Mut, Wachheit und Wärme zu begegnen ist eine wichtige Voraussetzung, um das Potenzial für Leid, welches Ärger und insbesondere das blinde  Ausagieren von Ärger mit sich bringt,  anzuerkennen und zu lindern. Wir brauchen  Mut und viel Wärme, wenn wir lernen wollen die Kraft dieses Gefühls zu verstehen und nutzbar ins Leben zu integrieren.

28. Mai 2020 von 19:00 bis 20:30 Uhr
Die hilfreiche Seite der Traurigkeit entdecken – Wer will schon gern traurig sein? Oft betrachten wir Traurigkeit als eins von den unangenehmen Dingen, mit denen wir in diesem Leben klar kommen müssen. So begegnen wir der Traurigkeit mit Ablehnung und Widerstand. Zu lernen diese Traurigkeit anzunehmen, darauf hören, was uns das Gefühl zu sagen hat, eröffnet uns die Möglichkeit es als wertvollen Aspekt des Lebens anzuerkennen und zu integrieren.
Jedes Webinar kann einzeln besucht werden. Vorhergehende Webinare sind nicht Voraussetzung für die Teilnahme des nächsten.

Infos und Anmeldung